Gute Aussichten fuer den Weinjahrgang 2022 aus Schleswig-Holstein

Roter Riesling findet wieder Anklang

Comeback für eine lang vergessene Rebsorte: Der Rote Riesling ist wieder da. Vor allem an der Hessischen Bergstraße sind die Weißweine aus Rotem Riesling beliebt, aber auch in anderen Anbaugebieten finden sie ihre Liebhaber. 2002 wurde die Sorte in Hessen amtlich zugelassen. Heute entfällt etwa die Hälfte des Anbaus von deutschlandweit mehr als 75 Hektar auf Hessen, zu etwa gleichen Teilen an der Hessischen Bergstraße und im Rheingau.


«Das Besondere am Roten Riesling ist neben der Beerenfarbe das intensivere Aroma», sagt die Winzerin Jennifer Ackermann im Weingut Steigerhof in Harxheim (Kreis Mainz-Bingen). In Rheinhessen ist die Rebsorte seit 2018 zugelassen. «Der Rote Riesling bringt die Aromen noch ein bisschen schöner heraus als der Riesling mit grünen Trauben.»


Ihren Anfang nahm die Wiederentdeckung 1991 an der Hochschule Geisenheim im Rheingau. Der Rebveredler Reinhard Antes lernte den Roten Riesling 1976 als Praktikant in Geisenheim kennen. «Damals gab es dort eine Handvoll Reben dieser Sorte.» Dann habe er 1996 an der Hessischen Bergstraße die ersten Reben mit Rotem Riesling in der Lage Heppenheimer Stemmler gesetzt.


Mit seiner etwas späteren Reife im Vergleich zum herkömmlichen Riesling komme der Rote Riesling vermutlich auch mit dem Klimawandel besser zurecht, sagt Antes. Auch sei der Rote Riesling nicht von Sonnenbrand betroffen - so wird das vorzeitige Eintrocken der Beeren nach zu starker Sonneneinstrahlung genannt. Im Mittelalter war der Riesling mit den roten Beeren weit verbreitet, vermutlich standen Reben mit grünen und roten Trauben im «gemischten Satz» zusammen.


Beide Riesling-Sorten lassen sich genetisch nicht unterscheiden. Aber geschmacklich gebe es deutliche Unterschiede, sagt Antes. Der Rote Riesling sei vollmundiger und aromatischer. Und da sich die roten Beeren mehr erwärmten, komme es zu einem stärkeren Abbau der Säure. An der Hessischen Bergstraße wird der Rote Riesling daher auch gern «halbtrocken» oder «feinherb» ausgebaut, also nicht ganz so trocken wie beim klassischen Riesling. Dabei wird die Gärung im Fass nach gewisser Zeit gestoppt, um mehr Fruchtsüße zu erhalten.


Bei einem Gendefekt könne es leicht dazu kommen, dass die Bildung des roten Farbstoffs in der Beerenhaut blockiert werde, erklärt der Leiter des Instituts für Rebenzüchtung an der Hochschule Geisenheim, Joachim Schmid. Ein Grund für das einstige Verschwinden des Roten Rieslings könnte auch gewesen sein, dass die Winzer diese Sorte aus dem Anbau entfernt hätten, weil deren Trauben bevorzugt von Vögeln gefressen worden seien.

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